AD 01/09: Firmenportrait bei EWK Umwelttechnik GmbH (Kaiserslautern)
EWK Umwelttechnik GmbH reinigt Prozess- und Abgase:
Wenn aus Abgasen Energie wird
Es läuft gut in der Umwelttechnik. Dieses Fazit zieht jedenfalls Peter Ohlenschläger, Geschäftsführer der EWK Umwelttechnik GmbH in Kaiserslautern: „Wir haben den höchsten Auftragsbestand unserer Firmengeschichte, sind für das laufende Jahr komplett ausgebucht und werden auch die ersten sechs Monate in 2010 genug zu tun haben.“
Insofern liegt EWK im Trend, denn allenthalben scheint die aktuelle Wirtschaftskrise an der Umwelt- und Energietechnik vorbei zu gehen. Dabei ist doch das Erfolgsrezept des traditionsreichen Unternehmens, dass es eben nicht alles so macht, wie die anderen.
Die Umwelttechniker aus Kaiserslautern sind auf Abgas- und Prozessgasreinigungssysteme für Industrieanlagen spezialisiert. Die Produktpalette reicht vom Abscheiden von Partikeln, Stäuben und Feinstäuben aus der Luft über die Reduktion von Kohlenwasserstoffen, Aerosolen und Dioxinen bis hin zur Herstellung von integrierten Wasseraufbereitungsanlagen. Recht neu und verstärkt im Portfolio: Die Energie-Rückgewinnung aus Abluft, Abgas- und Prozessgasen. Nicht ohne Stolz verweist Ohlenschläger auf ein aktuelles Projekt nahe Kitzbühl. Dort hatte das Unternehmen neben den selbst geplanten Filtersystemen zusätzlich auch eine Energie-Rückgewinnung angeboten – inklusive einer Kostenrechnung, was der Kunde durch den Verkauf der Energie im ersten Jahr für Einkünfte erzielen kann. Immerhin geht es bei dem Projekt um 24 Megawatt pro Stunde, die an Energie, sozusagen aus der heißen Luft heraus, gewonnen werden können. Das hat die Österreicher überzeugt – sie bestellten die Anlage in der Pfalz.
In Kaiserslautern hat die EWK Umwelttechnik GmbH ihre Verwaltung, Engineering, Konstruktion und die Entwicklungsabteilung. Seit einigen Monaten werden nun auch kleinere Fertigungstätigkeiten vor Ort ausgeführt. Die eigentliche Produktion findet jedoch auf der verlängerten Werkbank statt – bei sogenannten „Workshop-Partnern“. Dabei handelt es sich um vier Firmen, die sich in jahrelanger vertrauensvoller Zusammenarbeit mit den Umwelttechnikern aus Kaiserslautern bewährt haben. Diese erhalten die Zeichnungen der Pfälzer Konstrukteure, zum Teil auch das Material bis hin zum Werkzeug – und produzieren dann. Die für eine Anlage notwendigen Teile werden schließlich bei den vier Workshop-Partnern eingesammelt und zur Baustelle gefahren, wo fachlich gut ausgebildeten Monteure aus Kaiserslautern die Einzelteile zu einem funktionierenden Ganzen zusammenbauen.
„Wir haben eine ganze Zeit lang überhaupt nicht selbst produziert“, berichtet Ohlenschläger. Das habe auch etwas mit der Firmengeschichte zu tun (s. Kasten). Allerdings sei man zu dem Schluss gekommen, dass eine Eigenfertigungsquote bis zu 30 Prozent durchaus sinnvoll sei. Tätigkeiten wie bohren, schneiden, sägen, kanten und insbesondere schweißen werden schon bald auf dem neuen Betriebsgelände stattfinden. Denn die EWK Umwelttechnik zieht um. Das in Kaiserslautern bekannte Gelände der ehemaligen Bayerischen Brauerei, am Fuße des Betzenberges gelegen, wird in den nächsten Monaten umgenutzt und neu bebaut und die neue Heimat des Unternehmens werden.
Von dort aus werden dann die immer internationaler werden Einsätze der EWK- Mitarbeiter koordiniert werden. Rund 40 Sattelzugladungen sind für eine mittelgroße Anlage nötig, um Material und Werkstatt-Equipment an die jeweilige Baustelle zu bringen. Dabei ist in einem Übersee-Container bereits eine komplette Werkstatt eingerichtet und in einem zweiten ein ganzes Kleinteile-Lager. Soweit logistisch möglich versuchen Ohlenschläger und seine Mitarbeiter eine just-in-time-Belieferung der Baustelle zu ermöglichen. Doch nicht immer geht das, wie er jüngst bei einem Projekt in Südafrika feststellen musste: „Da müssen Sie schon mal Sattelzugauflieger vor der Baustelle parken.“ Insgesamt dauert der Aufbau einer solchen mittelgroßen Anlage vom ersten Tag bis zum Anschluss der Anlage an die Produktion, sowie der Inbetriebnahme mit den eigens hierfür erstellten Programmen zur Bildschirmüberwachung rund 4 Monate.
Zwar sehen sich die Anlagen von außen durchaus ähnlich – in ihrem Inneren unterscheiden sie sich in aller Regel dann aber doch voneinander. „Wir haben in den vergangenen 15 Jahren erst einmal den Fall gehabt, dass wir fast komplett auf einen älteren Auftrag zurückgreifen konnten, weil die Voraussetzungen vergleichbar waren“, erinnert sich Peter Ohlenschläger. Ansonsten gilt: Jedes neue Problem braucht auch seine neue Lösung. Diese sind dann auch überwiegend „made by EWK Umwelttechnik“, denn der Pfälzer Mittelständler mit seinen 50 Mitarbeitern und rund 20 Millionen Euro Jahresumsatz entwickelt nicht nur für die kniffeligen Fälle seine Filter wenn möglich selbst.
„Bei unseren Anlagen ist es besonders wichtig, dass sie verlässlich laufen. Denn tun sie es nicht, steht ganz schnell eine komplette Fabrik still – und das wird dann mal richtig teuer“, sagt Ohlenschläger. Das sei auch der Grund, warum sich ein traditionelles Unternehmen, das auf einen guten Ruf und zahlreiche gute und funktionierende Beispiele verweisen kann, in diesem Geschäftsumfeld etwas leichter tue, als ein Neuling. Gut aufgestellt in einem Boom-Markt – Peter Ohlenschläger blickt auch weiterhin zuversichtlich in die Zukunft.









