Allgemeiner Maschinenbau

"Die eigenen Gedanken in Form bringen", Maschinenbau-Student Lars Lehmann.
"Die eigenen Gedanken in Form bringen", Maschinenbau-Student Lars Lehmann.

Ein duales Studium verbindet die theoretische Lehre an der Hochschule mit Praxiserfahrung im ausbildenden Betrieb. Lars Lehmann studiert auf diese Weise Maschinenbau an der FH Kaiserslautern. Sein Arbeitgeber ist die TLT Turbo GmbH in Zweibrücken.

Lars Lehmann beschäftigt sich mit Themen, die viele Menschen nicht mal vom Hörensagen kennen: Strömungswinkelmessung beispielsweise. Der 28-Jährige arbeitet bei TLT Turbo in Zweibrücken. Das Westpfälzer Unternehmen konstruiert und baut große Ventilatoren. Sehr große Ventilatoren. Wer beim Lesen an die gleichnamigen Objekte an der Schlafzimmerdecke oder an die Standgeräte im Büro denkt, ist auf dem Holzweg. Die Geräte und Systeme von TLT sorgen beispielsweise in Tunnels für gute Luft, lenken in der Industrie Abgase in die richtigen Bahnen oder blasen in Kraftwerken Luft in den Kessel.

"Diese Großventilatoren bestehen aus zwei Hauptkomponenten: das drehende Teil, das Laufrad, und das feststehende Teil, das Nachleitrad. Beide müssen optimal aufeinander angepasst werden", erklärt Lars Lehmann. Dazu sei es wichtig, die Strömungsverhältnisse und speziell die Abströmungswinkel zu kennen. Und genau damit beschäftigt sich der TLT-Mitarbeiter seit einigen Monaten. Er tüftelt daran, ein Messinstrument, die sogenannte Fünflochsonde, so zu ertüchtigen, dass das Unternehmen diese Strömungsmessungen automatisch durchführen kann. "Die Ergebnisse fließen dann in die Konstruktion ein", sagt Lehmann. Der Nutzen ist groß: Um so besser die Aerodynamik der Ventilatoren, umso höher ihr Wirkungsgrad. Die Arbeit Lehmanns hilft so, den Wirkungsgrad der TLT-Produkte zu verbessern und damit wettbewerbsfähiger zu werden.

Die Abströmungswinkel lassen sich übrigens auch berechnen. Doch besser sei es, wenn man zusätzlich empirische, also gemessene Daten berücksichtige. Dieser praktische Ansatz ist ganz nach dem Geschmack von Lars Lehmann. Seit dem Wintersemester 2009/2010 studiert er Allgemeinen Maschinenbau an der Fachhochschule Kaiserslautern - allerdings "dual". Das heißt: Er ist bei TLT angestellt und erhält von dem Maschinenbauunternehmen auch ein Gehalt. Im Unternehmen ist Lehmann jedoch nur in der vorlesungsfreien Zeit anzutreffen. Im Semester geht er an die Hochschule und besucht Vorlesungen und Seminare.

"Diese Verknüpfung von Praxis und Theorie gefällt mir sehr am dualen Studium", sagt der Zweibrücker. Sachen, die er im Studium lerne, könne er schnell in der Praxis einsetzen. "Und umgekehrt!" Ein reines Universitätsstudium sei ihm zu theorielastig. Ein weiterer wichtiger Grund habe das feste Gehalt gespielt. "An einer normalen Uni hätte ich schauen müssen, wie ich mein Studium finanziere", sagt der 28- Jährige.

Das Maschinenbaustudium wurde dem jungen Mann fast in die Wiege gelegt. "Gezeichnet und konstruiert habe ich schon immer gerne", erzählt Lars Lehmann. Sein Vater, ein gelernter Werkzeugmacher, hatte einen kleinen Maschinenbaubetrieb. "Dort habe ich oft ausgeholfen, um mir das Taschengeld aufzubessern." Waren es anfangs einfache Tätigkeiten wie Teile bohren, hat er am Schluss die CNC-Maschine programmiert.

Auch in der Freizeit hat ihn Technik und der Umgang mit ihr fasziniert. "Ich hatte mein erstes Auto noch nicht gefahren, da hatte ich es auch schon auseinandergeschraubt. Das liegt mir einfach im Blut", sagt Lars Lehmann.

Vor seinem Studium hat er bereits eine Berufsausbildung absolviert, ebenfalls bei TLT: technischer Zeichner. Das Unternehmen kannte er als gebürtiger Zweibrücker schon früh. "Ich hatte mich bei verschiedenen Firmen beworben. Von den Menschen und vom Betriebsklima her hat mir TLT aber am besten gefallen", resümiert er. Die Produkte hätten bei der Lehrstellenwahl keine dominierende Rolle gespielt. "Strömungswinkelmessung" war damals für ihn ebenfalls nur ein unbekanntes Fremdwort. Mittlerweile hat er sich in die Aerodynamik gut eingearbeitet. An seiner Bachelorarbeit sitzt er mit viel Spaß. Mit den Kollegen im Bereich Forschung und Entwicklung tauscht er sich intensiv aus. "Ohne Teamarbeit geht es nicht. Die beste Form für eine Ventilatoren-Schaufel bringt nichts, wenn am Schluss die Festigkeit nicht stimmt", erklärt Lehmann.

Der Maschinenbau-Student verschweigt aber auch die Nachteile eines dualen Studiums nicht: "Die zeitliche Belastung ist hoch. Wenn Uni-Studenten Semesterferien haben, gehen wir arbeiten", sagt Lars Lehman. Das heißt, dass während der Praxisphase im Unternehmen für die Klausuren gelernt werden muss. "Wenn ich von der Arbeit nach hause kam, hieß es daher immer: hinsetzen und studieren." Einfach sei das Studium nicht gewesen. Vor allem in den ersten drei Semestern standen fast ausnahmslos Grundlagen auf dem Stundenplan. "Die sind schon recht trocken. Das Hauptstudium macht viel mehr Spaß (siehe Kasten). Da kann man das Gelernte anwenden", sagt der angehende Maschinenbau-Ingenieur. Im Frühjahr beginnt sein letztes Semester. Doch mit dem Bachelor soll nicht Schluss ein. Anschließend will der junge Mann noch einen Masterabschluss dranhängen.

Mit Maschinenbau hat Lars Lehmann seinen Traumjob gefunden: "Der Reiz liegt darin, ein interessantes und kompliziertes Problem zu lösen und dabei etwas Neues zu entwickeln, eigene Gedanken in Form zu bringen." Ob er seine Problemlösungskompetenz auf Dauer zum Wohle von TLT einsetzt, weiß Lars Lehmann noch nicht. "Ein Unternehmen der Luft- und Raumfahrttechnik könnte mich auch reizen."

Allgemeiner Maschinenbau an der FH Kaiserslautern

Der Studienplan für das Fach "Allgemeiner Maschinenbau" an der FH Kaiserslautern gliedert sich in naturwissenschaftliche Grundlagen (u.a. Lineare Algebra, Mathematik, Experimentalphysik, Chemie), ingenieurwissenschaftliche Grundlagen (u.a. Statik, Festigkeitslehre, Kinematik und Kinetik, Maschinendynamik, Strömungslehre, Werkstoffkunde und Regelungstechnik), Ingenieuranwendungen (CAD-Grundlagen, Maschinenelemente, Konstruktion, Mechanische Antriebstechnik), fachübergreifende Module (u.a. Englisch und Kostenrechnung) und allgemeiner Maschinenbau (u.a. Pneumatik und Hydraulik, Leichtbaukonstruktion, Strömungsmaschinen, Verbrennungsmotoren, Fahrzeugtechnik).

Hinzu kommen Projekte, Praxisphasen und die Bachelorarbeit. Die Studienzeit beträgt sieben Semester.



Duales Studium in der Pfalz und Rheinland-Pfalz

An der Fachhochschule Kaiserslautern gibt es Studienangebote in den Fächern Maschinenbau, Elektrotechnik, Betriebswirtschaft und Finanzdienstleistungen. Die Absolventen erwerben dabei einen Bachelorabschluss. Mehr unter www.fh-kl.de

An der Hochschule Ludwigshafen umfasst das Angebot die Fächer Logistik, International Business Administration and Information Technology, Gesundheitsökonomie, Weinbau und Oenologie, International Business Administration (IBA), Hebammenwesen und Pflege. Mehr unter www.hs-lu.de

Weitere Hochschulen in Rheinland-Pfalz mit dualen Angebote in den Bereichen Ingenieurwissenschaften und Betriebswirtschaft sind die FH Worms, die FH Koblenz, die FH Bingen und die FH Trier. Mehr unter www.wegweiser-duales-studium/rheinland-pfalz/