Fachkraft für Lagerlogistik

Der Prozess-Spezialist - Luca Braun, Fachkraft für Lagerlogistik
Der Prozess-Spezialist - Luca Braun, Fachkraft für Lagerlogistik

Ein neuer Ölfilter für ein Modell eines Mercedes-Lastwagen des Modells Actros, ein neuer Auspuff für eine A-Klasse oder ein neuer Zahnkranz für einen Unimog: Egal um welches Fahrzeugteil aus dem Daimlerkonzern es sich handelt - vielleicht ist es durch die Hände von Luca Braun gegangen. Der 21-Jährige arbeitet seit drei Jahren im Global Logistics Center (GLC) in Germersheim. "Das GLC ist die Schalt- und Steuerzentrale der After-Sales Logistik von Mercedes-Benz", erklärt der großgewachsene Mann mit modischem Vollbart und großem Ohrring.

Von Germersheim aus bedient der Konzern seine Kunden in der ganzen Welt mit Fahrzeugteilen - vornehmlich Großhändler, die die Teile dann an Werkstätten und Mercedes-Händler verkaufen. Diese Zulieferer und natürlich der Daimler-Konzern machen das GLC zum Lager für 420.000 verschiedene Artikel. "Das GLC verfügt über mehr als eine Million Quadratmeter Lagerfläche", erklärt Luca Braun. Je nach Größe und Gewicht wandern die Teile ins Klein-, Mittel- oder Großteilelager. Vom Kleinteilelager gibt es zwei: ein manuelles und ein vollautomatisches. "Im manuellen Lager werden die Regale von einem Mitarbeiter bestückt. Im automatischen Kleinteilelager unterstützen Regalbediengeräte und Förder- und Transportbänder die Mitarbeiter beim Ein- und Auslagern ", sagt Luca Braun. Das funktioniert nur, da jedes Teil bei Anlieferung im EDV-System erfasst wird. Vereinfacht gesprochen durchlaufen die Teile die folgenden Stationen: Das Erfassen und Einlagern der eingehenden Bauteile, die Auslagerung bei einem entsprechenden Kundenauftrag und die Zusammenstellung des Kundenauftrags zu fertig verpackten Sendungen. Das reicht je nach Bestellung vom Expresspaket bis zur kompletten Lkw-Ladung.

Ein komplexes System wie im GLC kann nur betrieben werden, da Menschen wie Luca Braun das entsprechende Fachwissen und die nötige Erfahrung mitbringen. Der Südpfälzer hat dazu eine spezielle Ausbildung absolviert: Fachkraft für Lagerlogistik. Vor drei Jahren hat der junge Mann seine Ausbildung bei Daimler gestartet, im Sommer dieses Jahres hat er sie erfolgreich beendet. Seither arbeitet Luca Braun im Warenausgang, zurzeit in der Endverpackung. Dabei ist es seine Aufgabe, die einzelnen Kundenaufträge zu fertigen Sendungen zusammenzustellen und entsprechend zu verpacken. Das fällt je Kunde höchst unterschiedlich aus. Manche Großhändler erhalten die bestellten Teile in großen Gitterboxen angeliefert, andere Bestellungen gehen per Luftfracht nach Übersee. Dann gilt es, die Ware so zu verpacken, dass Dritte nicht unerlaubt Dinge ins Flugzeug schmuggeln können. Um bei der Vielzahl der Bestellungen, Produkte und Kundenwünschen nicht den Überblick zu verlieren, erhält Luca Braun an seiner Packstation jeden einzelnen Auftrag am Bildschirmangezeigt. Auch Verpackungsvorschriften sind dort hinterlegt und abrufbar.

Überhaupt spielt Software und IT eine große Rolle. Das Lagerverwaltungssystem muss zu jeder Zeit wissen, welcher Artikel in welcher Stückzahl wo zu finden ist. "In der Berufsschule habe ich die verschiedenen Kommissionierverfahren kennen gelernt, beispielsweise per RFID-Chip oder spezieller Lesebrillen", erklärt Luca Braun. RFID-Chips sind Etiketten mit eigener Rechnerleistung, die per Funk Signale aussenden. Diese Funksignale erleichtern die Erfassung der Artikel bei der Anlieferung und Einlagerung.

Die Ausbildung zur Fachkraft für Lagerlogistik vermittelt auch kaufmännische Inhalte. Das Berufsbild gehört laut Verordnung zu den kaufmännischen Berufen. "In kleineren Unternehmen sind ausgebildete Fachkräfte für Lagerlogistik in der Lage, ein Lager einzurichten, zu organisieren und zu leiten", erklärt Ralf Gebhart. Der 52-Jährige war Ausbilder von Luca Braun. Diese Funktion nimmt er schon seit 1999 wahr. Damals hat das Werk Wörth der Daimler AG zusammen mit dem Global Logistics Center Germersheim begonnen, Fachkräfte für Lagerlogistik auszubilden. Wenige Jahre zuvor war das Berufsbild entwickelt worden. Seit Start der Ausbildung wurden in Wörth und Germersheim 280 Fachkräfte für Lagerlogistik ausgebildet. Im Sommer haben 25 junge Menschen ihre Ausbildung in diesem Beruf begonnen.

"Die ausgebildeten Fachkräfte haben bei Stellenbesetzungen für die verschiedensten Funktionen gute Chancen", erklärt der Ausbilder. Der Grund: Fachkräfte für Lagerlogistik besitzen sehr gute Prozess- und Systemkenntnisse. Oder anders: Fachkräfte für Lagerlogistik haben keinen reinen Bürojob wie andere kaufmännische Berufe. Sie fahren genauso Gabelstapler, beladen Lkws oder arbeiten an Packstationen. Diese Abwechslung war es auch, die Luca Braun für den Beruf begeistert hat.

"Schon in der Schule stand für mich fest, dass ich mal zum Daimler will", erzählt der gebürtige Landauer. Viele Verwandte des jungen Mannes arbeiten bei dem Fahrzeughersteller. "Von daher wusste ich, dass man hier gut ausgebildet wird und man nach der Ausbildung viele Entwicklungsmöglichkeiten hat", sagt Luca Braun.

Der 21-Jährige hat in jedem Fall genaue Vorstellungen, wie es beruflich weitergeht: Im kommenden Jahr will er ein Studium anfangen. Das Fachabitur hat Luca Braun während seiner Ausbildung absolviert. Die Studienrichtung steht ebenfalls schon fest: Logistik.

Das Berufsbild:

Das Porträt im ferrum-E-Paper