Fertigungsmechaniker/in

Ich habe einen Beruf gesucht, der alles abdeckt - Fertigungsmechaniker Sven Daum
Ich habe einen Beruf gesucht, der alles abdeckt - Fertigungsmechaniker Sven Daum

Sven Daum hat im Mercedes Lkw-Werk in Wörth eine Ausbildung zum Fertigungsmechaniker absolviert. Mittlerweile ist er Industriemeister und im Sonderfahrzeugbau tätig.

Ein Wintermorgen in der Südpfalz: Sven Daum fährt mit seinem VW-Golf von Rheinzabern ins zwölf Kilometer entfernte Wörth. Auf dem Weg von seinem Wohnort zur Arbeit überholt er ein städtisches Räumfahrzeug, das die B9 von Schnee befreit und Salz streut. Beim Blick in den Rückspiegel sieht Daum den Mercedes-Stern auf dem Kühlergrill des orangefarbenen Unimog, lächelt und überlegt sich, ob er dieses Fahrzeug wohl mitgebaut hat. Solche Begegnungen sind für den 24-Jährigen sehr motivierend - er arbeitet im Mercedes-Benz -Werk Wörth, dem größten Lkw-Werk der Welt.

Sven Daum ist nicht an der Produktion von klassischen Lkws beteiligt. Sein Metier ist der Sonderfahrzeugbau für die Baureihen Unimog, Econic und Zetros. Diese hochspezialisierten und robusten Fahrzeuge kommen beispielsweise bei der Müllentsorgung, der Feuerwehr oder dem Winterdienst zum Einsatz. "Ich bin sowohl in der Produktion als auch der Entwicklung von Neufahrzeugen tätig. Das sind Produkte, deren Serienfertigung erst noch anläuft und die noch nicht auf dem Markt sind", erklärt Daum. Diese neuen Fahrzeugmodelle sind beispielsweise auf Messen zu sehen. Außerdem dienen sie dazu, die spätere Produktion großer Stückzahlen vorzubereiten. Daum ist für diese anspruchsvollen Aufgaben gut gerüstet. Der 24-Jährige ist bereits Industriemeister. Ausgebildet wurde er als Fertigungsmechaniker.

Diese Ausbildung existiert seit 1997. Zugeschnitten ist sie speziell auf die Belange von Produktionsprozessen: Fertigungsmechaniker montieren Einzelteile oder Baugruppen zu industriellen Serienerzeugnissen, von Küchengeräten über Kraftfahrzeugkomponenten bis hin zu Maschinen und ganzen Anlagen (siehe Kasten "Das Berufsbild"). "Fertigungsmechaniker gehen stärker in die Breite als in die Tiefe. Sie bringen auch Verständnis für die logistischen Prozesse mit, ohne die eine Serienfertigung nicht funktionieren kann", erklärt Rainer Fischer. Der 52-Jährige ist in Wörth für die Ausbildung der Fertigungsmechaniker verantwortlich - und zwar seit 1997. "Wenn ich heute durch das Werk laufe, begegne ich überall ehemaligen Azubis. Das zeigt, wie vielseitig Fertigungsmechaniker eingesetzt werden", resümiert Fischer den Erfolg des jungen Berufs.

Sven Daum war schon früh klar, dass er später einen technischen Beruf ergreifen werde. "Schon als Kind habe ich meinem Vater zu Hause in der Werkstatt geholfen, an Motoren geschraubt und Metall bearbeitet", erzählt er. Von seinem Vater habe Daum viel gelernt, unter anderem Schweißen und den Umgang mit Hydraulik. "Ich habe einen Beruf gesucht, der all das abdeckt und bin schließlich auf den Fertigungsmechaniker gestoßen." Die Bewerbung bei Daimler in Wörth war nach der Entscheidung für diesen Beruf einfach. Das Lkw-Werk ist nicht allzu weit von Daums Wohnort entfernt. Zudem arbeiten Familienangehörige des jungen Mannes in dem Konzern. "Außerdem gefallen mir die Entwicklungsmöglichkeiten bei Daimler sehr gut", sagt Daum.

Dessen Lehre begann mit einer Metall-Grundausbildung. "Auch kleinere Projekte haben wir dabei schon als Team umgesetzt", erinnert sich Daum. Im zweiten Lehrjahr stand Schweiß- und Steuerungstechnik auf dem Lehrplan, zudem Drehen, Fräsen, Hydraulik und Elektrik. Doch bereits im zweiten Lehrjahr wurde Daum immer wieder an verschiedenen Stellen in der Fertigung eingesetzt. "Es ist gut, dass man schon früh die Lehrwerkstatt verlassen hat", sagt der Industriemeister. Das habe dazu geführt, dass er am Ende seiner Ausbildung einen guten Überblick über die Arbeit im größten Lkw-Werk der Welt hatte. Bei den Einsätzen in der Fertigung werden die Auszubildenden von Fachausbilder des betreffenden Bereichs unterstützt. "Die Fachausbilder bringen einem alles Nötige bei, um die verschiedensten Arbeiten eigenständig zu erledigen, beispielsweise einen Kühler "zusammenzubauen", erklärt Daum. Am Ende der Ausbildung haben die angehenden Fertigungsmechaniker so jedes Element kennen gelernt, das in der Bausatzabteilung gefertigt wird.

Genau diese Kenntnis der einzelnen Vormontageschritte sind es, die Daum so interessant findet: "Als Fertigungsmechaniker kann man bei jedem einzelnen Arbeitsschritt zum Einsatz kommen. Durch die großen Unterschiede der einzelnen Baureihen gibt es dabei eine sehr große Vielfalt an Tätigkeiten. Das finde ich spannender als die Endmontage der Fahrzeuge." Die Arbeiten in der Vormontage finden immer in Teams statt. Fischer spricht von "Einzelarbeit in Teams": "Auch wenn jeder seine spezielle Aufgabe zu erfüllen hat, müssen die Arbeiten insgesamt genau aufeinander abgestimmt sein", erklärt der Ausbilder. Teamfähigkeit sei daher ein wichtiges Kriterium bei der Auswahl der jährlich rund 20 zu besetzenden Stellen im Ausbildungsberuf Fertigungsmechaniker.

Doch nicht nur Teamfähigkeit sollten Interessenten mitbringen. Notwendig sind zudem sehr gute Mathe- und Physikkenntnisse sowie ein gutes technisches Grundverständnis. Und ein hohes Maß an Eigenverantwortung ist unerlässlich, um später in der Fertigung seinen Job gut zu erledigen: Nach Montage der einzelnen Baugruppen überprüfen Fertigungsmechaniker ihr Werkstück und bestätigen ihre Überprüfung mit einem Stempel. Das ist wichtig, um bei späteren Reklamationen schnell den richtigen Ansprechpartner zu finden.

Häufig kommen solche Reklamationen nicht vor. Die Mercedes-Benz Lastwagen und Sonderfahrzeuge gelten als sehr zuverlässig. Sven Daum wird so kaum in Verlegenheit kommen, einmal auf ein liegengebliebenes Fahrzeug aus der Wörther Produktion zu treffen. Obwohl auch dass seiner Motivation keinen Abbruch tun würde.