Fluggerätmechaniker/in

"Schon mit zwölf Jahren habe ich meine ersten Modellflugzeuge zusammengebaut, später auch eigene Flugzeuge entworfen" - Fluggerätmechaniker Nikolas Kares

Nikolas Kares ist angehender Fluggerätmechaniker. Die Ausbildung verlangt neben einem sehr guten technischen Verständnis auch handwerkliches Geschick. Zudem sollte der Fachkräftenachwuchs Leidenschaft fürs Fliegen mitbringen.

Nikolas Kares wurde der Beruf des Fluggerätmechanikers nicht in die Wiege gelegt: Der 19-Jährige entstammt einer Musikerfamilie, er selbst spielt Cello. Dennoch entschloss sich der groß gewachsene und schlanke junge Mann, nach der Mittleren Reife bei der PFW Aerospace AG eine Ausbildung zu beginnen. "Schon mit zwölf Jahren habe ich meine ersten Modellflugzeuge zusammengebaut, später auch eigene Flugzeuge entworfen", erzählt Nikolas Kares. So habe sich früh der Wunsch herauskristallisiert, in die Luftfahrtindustrie zu gehen. Letztendlich entschieden hat sich der gebürtige Brettener für den Beruf des Fluggerätmechanikers in der Fachrichtung Fertigungstechnik. "Ich wollte in jedem Fall in der Produktion arbeiten. Nur Wartung ist mir zu wenig", sagt er. Den Beruf gibt es auch in den Fachrichtungen Instandhaltungstechnik und Triebwerkstechnik. Beworben hatte sich Nikolas Kares auch bei großen Flugzeugherstellern wie Airbus. Letztendlich hat er sich für den Zulieferer aus Speyer entschieden: "PFW war einfach am Schnellsten." Für seine Ausbildung ist er von Bretten nach Speyer umgezogen. Mit 16 Jahren hat er im "Hotel Mama" ausgecheckt und hat sich eine kleine Wohnung in der Domstadt genommen.

Für PFW ist das keine Seltenheit. "Für unsere jährlich 18 neuen Ausbildungsverhältnisse erhalten wir rund 300 Bewerbungen - aus dem ganzen Bundesgebiet", sagt Ausbildungsleiter Bernd Dreyer. Die hohe Nachfrage hat gute Gründe. Die Ausbildung bei PFW gilt in der Branche als ausgezeichnet. Davon zeugt auch die Tatsache, dass von PFW vier Mal innerhalb der letzten sechs Jahre der bundesweit beste Auszubildende im Beruf Fluggerätmechaniker in der Fachrichtung Fertigungstechnik kam. Ob Nikolas Kares diese Erfolgsserie fortschreiben und eine Einladung nach Berlin zu Bestenfeier erhalten wird, entscheidet sich in diesen Wochen. Die nun zu Ende gehende dreieinhalbjährige Ausbildung hat ihm gut gefallen: Am Anfang hat Kares die Grundlagen der Metallverarbeitung wie Drehen, Schweißen oder Fräsen gelernt. Und auch Kunststoffbearbeitung stand auf dem Stundenplan. Glasfaserverstärkte Kunststoffe werden im Flugzeugbau immer wichtiger, da die Airlines Gewicht und damit Kerosin sparen wollen. Das Gros der PFW-Produkte besteht aber weiterhin aus Metall. Die Speyerer haben sich auf Rohrleitungssysteme spezialisiert, beispielsweise für den Transport des Kraftstoffs von den Tanks zu den Triebwerken, für die Klimaanlage oder das Wassersystem. Die wichtigsten Kunden sind Airbus und Boeing, aber auch kleinere Flugzeugbauer. Ein weiterer Schwerpunkt sind Frachtladesysteme und Strukturbaugruppen. Es gibt daher weltweit nur wenige Flieger, die nicht Produkte und Systeme von PFW enthalten.

Ab Mitte des zweiten Jahres hat Nikolas Kares dann die verschiedenen Fertigungsbereiche von PFW durchlaufen. Am besten hat ihm das Schweißen gefallen. "Da muss man noch richtig tüfteln", sagt der angehende Fluggerätmechaniker. Viele der Rohrleitungen und Bauelemente werden in Handarbeit erstellt. Zuverlässiges und korrektes Arbeiten ist dabei unerlässlich - immerhin geht es letztendlich um die Sicherheit von Besatzungen und Fluggästen.

Die Faszination am Fliegen und der Luftfahrtindustrie sollte der PFW-Nachwuchs mitbringen - so wie Nikolas Kares. Das Unternehmen unternimmt aber auch viel, um diese Leidenschaft wach zu halten. "Im ersten Lehrjahr nehmen alle Auszubildenden an einem zweiwöchigen Fluglager teil", erklärt Bernd Dreyer. Dort lernen sie das Fliegen mit Segelflugzeugen. "Hiermit fördern wir die Teamarbeit sowie die Übernahme von Verantwortung." Wer möchte, kann sich die Trainingszeit bei Erwerb einer Segelfluglizenz anrechnen lassen. Nikolas Kares hat dies getan. Er ist mittlerweile begeistertes Mitglied beim SFC Schwetzingen und steuert dort regelmäßig die Segelflugzeuge des Vereins.

Neben der Leidenschaft fürs Fliegen gibt es jedoch auch kognitive Fähigkeiten, die für Fluggerätmechaniker unerlässlich sind. Dazu zählen analytische Fähigkeiten sowie mathematisches und naturwissenschaftliches Verständnis. "Die theoretische Ausbildung ist sehr anspruchsvoll", sagt Nikolas Kares. So stehen beispielsweise Strömungslehre und Triebwerkstechnik auf dem Stundenplan der Berufsschule. Und natürlich zählen auch handwerkliche Fertigkeiten zu den Grundvoraussetzungen. Da wiederum war die musikalische Familie von Nikolas Kares durchaus prägend: "Mein Vater ist Orgelbauer. Das handwerkliche Geschick habe ich von ihm."

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