Gießereimechaniker/in

Eine Aufgabe ist, Sandgussformen zu erstellen - Gießereimechaniker Alexander Weiß. Bild: PfalzMetall
Eine Aufgabe ist, Sandgussformen zu erstellen - Gießereimechaniker Alexander Weiß. Bild: PfalzMetall

Alexander Weiß hat als Kind einen Ausflug gemacht, der Folgen haben sollte: Mit der Kirchengemeinde besuchte der aus Kasachstan stammende Junge eine Glockengießerei. Ein prägendes Erlebnis: "Die Arbeit hat mich fasziniert", erinnert er sich fast zwei Jahrzehnte später. Der 28-Jährige ist mittlerweile selbst Gießereimeister. Gelernt hat der dunkelhaarige und schlanke Mann bei der Firma HegerGuss in Enkenbach-Alsenborn. Die familiengeführte Unternehmensgruppe stellt mit rund 250 Mitarbeitern unter anderem Großmotorenblöcke her.

Ein neueres Geschäftsfeld ist der Guss von Rotornaben für Windkraftanlagen. Diese Produktgruppe hat in den vergangenen Jahren einen solchen Aufschwung erfahren, dass die Firma 2009 eine neue Gießerei in Sembach gebaut hat. Dort führt Alexander Weiß derzeit ein Produkt ein, das bisher nur am Stammsitz produziert wurde: Dieselmotorenblöcke für den US-amerikanischen Konzern General Electric. Die kleinen Kraftwerke erzeugen später bis zu 6000 PS Leistung. Der Motorblock muss also sehr hohen Kräften Stand halten - und das über Jahrzehnte. "Alle Werkstücke werden intensiv geprüft, unter anderem mit Ultraschall", erklärt Weiß. Jede Schicht fertigt durchschnittlich einen der tonnenschweren Blöcke. Die Aufgabe des Gießereimechanikers dabei ist es, die Sandgussform zu erstellen, in die das flüssige Metall gegossen wird. Gebunden wird die Sandform vor dem Guss mit Harz. Zur Herstellung der Sandform bedarf es eines Modells, das meist aus Holz oder Metall erstellt wird. Doch die Sandgussform ist nur das eine: Da der Motorblock innen hohl sein muss und die Wände eine genau definierte Dicke haben müssen, enthält die Form im Innern einen Kern, der später den eigentlichen Innenraum des Gussteils bildet. Da die Sandformen und -kerne nur einmal benutzt werden können, ist jeder Motorblock ein individuell geformtes Einzelstück. Allerdings eines, das sich keinen Millimeter von den anderen Blöcken des gleichen Typs unterscheiden darf. "Gießereimechaniker müssen sehr präzise und korrekt arbeiten", beschreibt Weiß daher eine Anforderung an den Beruf. Weitere Grundvoraussetzungen sind technisches Verständnis und Teamfähigkeit. Die Herstellung tonnenschwerer Präzisionsgussteile gelingt nur in der Gruppe.

Der Heger-Mitarbeiter hat in seinem zweiten Ausbildungsjahr die ersten einfachen Formen und Kerne hergestellt. Im ersten Jahr hat er den allgemeinen Umgang mit Metall gelernt. Nach der dreieinhalbjährigen Ausbildung wurde Weiß von der Gießerei übernommen. Schon bald merkte er, dass er sich gerne weiterqualifizieren wollte. Eineinhalb Jahre nach seiner Abschlussprüfung im Jahr 2005 hatte Weiß daher begonnen, nebenberuflich seinen Meister zu machen. "Dazu habe ich Blockunterricht in Stuttgart besucht. Dafür habe ich Bildungsurlaub genommen und die Zeit vor- und nachgearbeitet", sagt er. Einfach sei diese Phase nicht gewesen. "Außer Arbeiten und Lernen habe ich da nicht viel anderes gemacht", erinnert sich Weiß. Er ist froh, diesen Schritt bald nach der Ausbildung getan zu haben. Mittlerweile hat er einen kleinen Sohn und eine Tochter ist gerade unterwegs.

Mit seiner Berufswahl ist er sehr zufrieden. Dass Alexander Weiß langfristig bei seinem Arbeitgeber bleiben will, zeigt auch sein Umzug von Kaiserslautern nach Sembach. "Deutsche Gießereien sind sehr wettbewerbsfähig, das gilt vor allem für Europa, aber auch weltweit", sagt Johannes Heger, geschäftsführender Gesellschafter der Firmengruppe. Der Unternehmer ist stolz auf engagierte Mitarbeiter wie Alexander Weiß. "Nebenberuflich seinen Meister zu machen, verlangt viel Disziplin. Hut ab!" Hegers Entscheidung, dem 28-Jährigen die Produkteinführung in der Gießerei in Sembach zu übertragen, zeigt, dass er seinen Mitarbeiter fachlich wie menschlich schätzt. Immerhin trägt Weiß dort Verantwortung für rund 20 Mitarbeiter. "Die Meisterausbildung war sehr gut, da ich dort auch Personalführung gelernt habe", sagt Weiß über seine neue Aufgabe. Der junge Mann findet es schade, dass viele Schulabgänger sich auf wenige bekannte Ausbildungen stürzten, zudem oftmals körperlich anstrengende Arbeit mieden. "In einem Industrieunternehmen wie Heger habe ich sehr gute Entwicklungsmöglichkeiten. Und die Bezahlung ist auch gut", sagt Weiß. Unter den 15 Auszubildenden ist derzeit sogar erstmals eine junge Frau. "Schwer heben muss bei uns keiner. Die Materialien und Werkstücke sind so schwer, dass wir sie sowieso nur mit Hegezeugen bewegen können", erklärt Johannes Heger.

Das Berufsbild:

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