Kaufmännische/r Techniker/in - Weiterbildung made in Frankenthal

Manuel Di-Bella (l.) und Maximilian Ratz (r.) starten bei KSB bald ihre Weiterbildung zum „Kaufmännischen Techniker“. Konzipiert hat die Weiterbildung Ausbildungsleiter Berthold Brauch.
Manuel Di-Bella (l.) und Maximilian Ratz (r.) starten bei KSB bald ihre Weiterbildung zum „Kaufmännischen Techniker“. Konzipiert hat die Weiterbildung Ausbildungsleiter Berthold Brauch.

KSB bildet ab September zwei Mitarbeiter zu "Kaufmännischen Technikern" weiter. Dazu kombiniert der Frankenthaler Pumpenhersteller die normale Weiterbildung zum Techniker mit eigenen kaufmännischen Lehrinhalten. Die beiden Mechatroniker freuen sich auf die kommenden vier Jahre - auch wenn die Weiterbildung viel Zeit fressen wird.

Die Weiterbildung zum Techniker ist eine genauso beliebte wie anspruchsvolle Fortbildung. In Vollzeit investieren die Aspiranten zwei Jahre, berufsbegleitend sind es vier Jahre. Manuel Di-Bella und Maximilian Ratz stehen kurz vor dieser anstrengenden und intensiven Phase. Im September starten sie ihre Weiterbildung zum Techniker. Dazu werden sie zukünftig an drei Abenden in der Woche die Andreas-Albert-Schule in Frankenthal besuchen.

"Das wird kein Zuckerschlecken. Doch das ist es mir wert!", sagt Manuel Di-Bella. Der 25-Jährige hat wie sein Kollege Maximilian im Dezember eine Ausbildung als Mechatroniker abgeschlossen. Nach der Mittleren Reife hatte Di-Bella in einem anderen Betrieb vier Jahre als Anlagen- und Maschinenführer gearbeitet. "Ich musste die Anlage selbstständig umbauen und warten", erzählt der aus Grünstadt stammende Mann, der mittlerweile in Frankenthal lebt. Die Arbeit hat ihn aber auch auf die Idee gebracht, Mechatroniker zu lernen. "Die Kombination von Mechanik und Elektronik finde ich sehr interessant", sagt Di-Bella.

Maximilian Ratz begann seine Ausbildung bei KSB unmittelbar nach der Mittleren Reife. Der Frankenthaler hat als Schüler bei KSB ein Praktikum absolviert. "Ich fand sowohl Elektriker als auch Industriemechaniker interessiert. Und da ich mich nicht zwischen beiden entscheiden wollte, kam mir die Ausbildung als Mechatroniker sehr gelegen", erzählt der junge Mann.

Mechatroniker sind Grenzgänger: Geschaffen wurde dieses Berufsbild, um der Tatsache Rechnung zu tragen, dass heute kaum noch eine Maschine oder Anlage ohne elektronische Steuerung auskommt. Der Beruf des Mechatronikers verbindet daher das Wissen um Elektronik, also Steuerung, mit Kenntnissen in Mechanik.

Di-Bella und Ratz steht ein weiterer Grenzgang bevor. Denn ihre vierjährige Weiterbildung wird sie zum "Kaufmännischen Techniker" machen. Diesen Abschluss gibt es eigentlich nicht. Der Arbeitgeber der beiden, KSB, hat diese Fortbildung eigenständig aus der Taufe gehoben. "Wenn "Techniker" kleine Ingenieure sind, dann sind "Kaufmännische Techniker" kleine Wirtschaftsingenieure", erklärt Berthold Brauch. Der Ausbildungsleiter hat das Konzept des Kaufmännischen Mitarbeiters vor rund zehn Jahren entwickelt. Damals bildete KSB zwei Industriemechaniker zum Kaufmännischen Techniker weiter.

Das Prinzip: Die Teilnehmer absolvieren die eigentliche Technikerausbildung in ihrer Freizeit. Die kaufmännischen Inhalte erlernen sie hingegen während ihrer Arbeitszeit. Die vier Jahre gliedern sich dabei in zwei Phasen: In den ersten 18 Monaten durchlaufen sie verschiedene kaufmännische Abteilungen wie Vertrieb, Einkauf oder Controlling (siehe Grafik). "Das ist vergleichbar den Industriekaufleuten", erklärt Brauch.

Für jede Station gibt es definierte Lernziele und darauf abgestimmte Bewertungsbögen. In den anschließenden zweieinhalb Jahren sind die Teilnehmer dann fest in einem Bereich, der sogenannten Patenabteilung. Di-Bella und Ratz werden in der Produktion eingesetzt. Und auch hier gibt es neben der Praxis jede Menge Theorie, die auf die angehenden Kaufmännischen Techniker wartet. Mehr als ein Dutzend Seminare müssen die beiden absolvieren, darunter Englischkurse und Verkaufstrainings. Das anspruchsvollste Modul dabei ist vermutlich die Weiterbildung zum "PAP".

Das steht für "Pump Application Professional". "Ich bezeichne die "PAPs" auch als Pumpen-Ingenieure", sagt der KSB-Ausbildungsleiter. Alleine dieses Modul umfasst rund 400 Stunden. Die Teilnehmer lernen dabei alles rund um die Pumpentechnik. Geprüft wird das erlernte Wissen in acht Klausuren, die sich über die zwölf Monate der Ausbildung zum Pump Application Professionel verteilen. "Der PAP stößt natürlich auf unser besonderes Interesse", sagt Di-Bella. Immerhin dreht sich bei KSB fast alles um Pumpen. Unabhängig von diesem Spezialwissen freut er sich aber über die vielen Erfahrungen, die er in den kommenden vier Jahren sammeln wird. "Es ist toll, dass wir so viele Abteilungen durchlaufen", ergänzt sein Kollege Ratz. "Im Büro haben wir beide schließlich noch nie gearbeitet".

Für ihre weitere berufliche Zukunft sehen sie sich mit dem "Kaufmännischen Techniker" bestens gerüstet. Zu Recht: Ihren Arbeitgeber lernen sie intensiv kennen. Sollten sie dennoch zu einem anderen Unternehmen wechseln, haben sie zudem den anerkannten Abschluss "Techniker" in der Hand. Doch nach Wechsel ist beiden nicht zu Mute. "Ich habe nicht lang nachgedacht, das Angebot anzunehmen", sagt Di-Bella. Er habe immer vorgehabt, nach dem Mechatroniker noch etwas draufzusatteln. "Mit dem "Kaufmännischen Techniker" weiß ich nun sicher, dass ich nach vier Jahren eine adäquate Stelle bekomme."

Seinen Kollegen reizt vor allem die Aussicht, mit der angestrebten Qualifikation später eine Tätigkeit auszuüben, bei der er viel mit Menschen zu tun haben wird. "Ein Leben lang in der Werkstatt kann ich mir nicht vorstellen", sagt Maximilian Ratz. Diese Rechnung könnte gut aufgehen: Mit dem vertieften Wissen in Technik und Betriebswirtschaft sind "Kaufmännische Techniker" gut in Querschnittfunktionen wie Projektmanagement oder Vertrieb einsetzbar.

Dieses Ziel vor Augen, treten beide in den kommenden vier Jahren privat gerne etwas kürzer. "Ich bin leidenschaftlicher Sportler, spiele mittlerweile aber bloß noch Fußball", sagt Maximilian Ratz. "Fürs Tanzen und Kickboxen werde ich zukünftig keine Zeit mehr haben". Manuel Di-Bella weiß ebenfalls, dass er während der vierjährigen Weiterbildung weniger Freizeit haben wird. Sein größtes Hobby: Angeln. Das immerhin lässt sich ganz gut mit dem Lernen verbinden. Und so wird Di-Bella vielleicht zukünftig beim Angeln nicht auf die Feder des Köders schauen, sondern in ein Lehrbuch für Hydraulik oder Rechnungswesen.

Kaufmännischer Techniker
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