Land- und Baumaschinenmechatroniker/in

Aus Liebe zu Landmaschinen - Land- und Baumaschinenmechatroniker Marc Peifer
Aus Liebe zu Landmaschinen - Land- und Baumaschinenmechatroniker Marc Peifer

Marc Peifer beendet bald seine Ausbildung zum Land- und Baumaschinenmechatroniker bei John Deere in Zweibrücken. Der Beruf war dem Pfälzer in die Wiege gelegt. Schon als Kind spielte er mit Traktoren, als Jugendlicher reparierte er sie. 2011 kaufte der junge Mann seinen ersten gebrauchten Traktor, machte ihn wieder fit und verkaufte ihn weiter.

Es gibt Menschen, die brauchen lange bis sie ihren Weg und ihren Platz in der Welt gefunden haben. Abgebrochene Studien und Ausbildungen, Berufs- und Arbeitsplatzwechsel oder Umzüge kennzeichnen ihre Biographien. Auf der anderen Seite gibt es Menschen, die schon in jungen Jahren in sich zu ruhen scheinen und in keinem Moment Zweifel an ihren Weg erkennen lassen. Marc Peifer ist solch ein Fall. Der 20-Jährige absolviert im John-Deere-Werk-Zweibrücken eine Ausbildung zum Land- und Baumaschinenmechatroniker. Im Januar 2015 wird er seine Abschlussprüfungen ablegen. 2011, in Marc Peifers erstem Lehrjahr, hat er all sein erspartes Geld genommen und sich einen Traktor gekauft, einen International Harvester (IH) Modell 955, Baujahr 1983. "Ein Bekannter hatte sich den Schlepper zum Holzmachen gekauft. Doch nach einem Getriebeschaden wollte er den Traktor loswerden", erzählt der angehende Landmaschinenmechatroniker. Zehn Monate hat Marc Peifer gebraucht, um den IH 955 zu reparieren, aufzubereiten und zu lackieren. Seine Arbeitsgrundlagen: ein bei Ebay gekauftes Werkstatthandbuch. Für den jungen Mann aus Waldfischbach-Burgalben (Landkreis Südwestpfalz) war es nicht das erste Mal, dass er in seiner Freizeit an Landmaschinen schraubte. "Zu Hause haben wir ein paar Landmaschinen und Forstgeräte: einen Traktor, Seilwinden, Holzspalter und so Sachen", sagt Marc Peifer. Seine Großeltern hatten einen Bauernhof. Von ihnen stammt ein Teil der Maschinen. Und auch wenn Marcs Eltern keine Landwirtschaft mehr betreiben, schlagen sie Holz im Wald und halten einige der alten landwirtschaftlichen Flächen sauber. Wie andere Kinder auf den Spielplatz gingen, ist Marc Peifer so auf Traktoren gesessen, hat sie gefahren - und auch repariert. Das hat ihn für sein Leben geprägt: "Schon als Schüler habe ich gewusst, dass ich Land- und Baumaschinenmechaniker werden würde", sagt der junge Mann, dessen kräftige Statur und der feste Händedruck davon zeugen, dass ihm körperliche Arbeit Spaß macht.

Die Berufsbezeichnung hat sich mittlerweile geändert: Seit August dieses Jahres heißt der Beruf Land- und Baumaschinenmechatroniker. Das Wort verweist sowohl auf Mechanik als auch Elektronik. Aus gutem Grund: Moderne Landmaschinen stecken voller Elektrik und Elektronik. Das liegt zum einen darin, dass Land-, Forst- und Bauarbeiter an ihren Maschinen immer weniger körperlich tätig sein sollen. Die Antwort: Elektrik und Automatisierung sorgen für mehr Komfort. Zum anderen spielt Software in den Fahrerkabinen eine immer größere Rolle. Sie unterstützt die Maschinenführer bei ihrer Arbeit, beispielsweise bei der Berechnung der Ausbringungsmenge von Dünger auf eine bestimmte Fläche in Verbindung mit der aktuellen Fahrgeschwindigkeit.

John Deere betreibt in Kaiserslautern sein eigenes Europäisches Technologie- und Innovationszentrum (ETIC), um diese Entwicklung voranzutreiben. Ein Forschungsfeld ist die satellitengestützte Landwirtschaft. Marc Peifer war in seiner Ausbildung vier Wochen im ETIC in Kaiserslautern. "Dort habe ich programmiert und kalibriert, habe repariert und ausgebessert", erzählt er. Sein Einsatz hat offensichtlich die Verantwortlichen überzeugt. Die Versuchsabteilung des ETIC würde Marc Peifer nach Abschluss seiner Ausbildung gerne bei sich einsetzen. Der Termin für ein Vorstellungsgespräch ist schon vereinbart.

Die Tätigkeit im ETIC ist exemplarisch für Landmaschinenmechatroniker. "Wir setzen sie vor allem dann ein, wenn es um die Maschinen als Ganzes geht, in der Qualitätssicherung oder bei Pilot- und Spezialbauten, bei denen es auf Mechanik, Elektrik und Elektronik ankommt", erklärt Folker Beck. Der Ausbildungsleiter im Werk Zweibrücken hebt vor allem ihre Fähigkeit hervor, Fehler zu suchen und Diagnosen zu erstellen. "In der Montage selbst kommen sie weniger zum Einsatz", so der Ausbildungsleiter. Aber natürlich hat Marc Peifer in seiner Ausbildung auch die Produktion kennengelernt. Vier Wochen hat er jeweils in der Fertigung von Mähdreschern und Feldhäckslern gearbeitet. Einen Monat hat der Auszubildende zudem bei einem Landmaschinenhändler verbracht, um auch andere Marken als jene mit dem gelben Hirschen kennen zu lernen. "Der überbetriebliche Ausbildungsteil ist notwendig, da der Landmaschinenmechatroniker ja eigentlich ein Handwerksberuf ist", erklärt Ausbildungsleiter Beck. Noch eine Besonderheit bei John Deere: Im ersten Lehrjahr lernen alle Azubis Traktorfahren.

Marc Peifer war zudem einen Monat im John Deere Werk Mannheim eingesetzt. In der Deutschland- und Europazentrale des US-amerikanischen Landmaschinenherstellers arbeitet Peifer auf einer sogenannten "Lerninsel". "Dabei habe ich mit fünf Kollegen einen Traktor komplett alleine zusammengebaut. Normalerweise werden die Maschinen am Band gefertigt. Auf der Lerninsel indes geht es zu wie in einer Manufaktur", erzählt Peifer. So lernen die "Insulaner" alle Abläufe innerhalb des Werks kennen, die bei der Montage eine Rolle spielen. Peifer bezeichnet die Zeit auf der Lerninsel als "Highlight der Ausbildung". Besonders stolz ist er darauf, dass seine Gruppe den Traktor in nur zweieinhalb Wochen komplett montiert hatte - bei Null Fehlern! "Die letzten eineinhalb Wochen war ich dann in der Getriebefertigung und habe mich intensiv mit Service Advisor beschäftigt", erzählt Peifer. Service Advisor ist eine Software, die zur Programmierung und Kalibrierung der Landmaschine dient. Ganz am Anfang seiner Ausbildung ging es nicht um High Tech, sondern um die Grundfertigkeiten im Umgang mit Stahl und Blech. "In der Metallgrundausbildung haben wir feilen, bohren, fräsen, drehen und schweißen gelernt", erinnert sich Peifer.

Ob er sich bei seinen Vorkenntnissen in der Ausbildung nicht gelangweilt hat? "Nein, ich kannte zwar schon viel, habe aber immer wieder Neues gelernt", sagt er. Hinzu komme: Die Maschinen, also Mähdrescher und Feldhäcksler, waren auch für ihn völlig neu. Von seinem in der Kindheit gereiften Berufswunsch ist er auch am Ende seiner Ausbildung noch überzeugt. Der Beruf gefällt ihm so gut, dass er schon drei Menschen aus seinem Umfeld davon überzeugt hat, ebenfalls eine Ausbildung bei John Deere zu beginnen: einen Freund und seinen Bruder, die auch Land- und Baumaschinenmechatroniker lernen, sowie seine Freundin, die dort Industriemechanikerin lernt. Um Pflege, Wartung und Reparatur der Landmaschinen im Hause Peifer muss man sich also keine Gedanken machen.

Das Berufsbild:

 

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