Mechatroniker/in

„Mechatroniker sind in der Lage, komplexe Anlagen zu montieren, zu warten und instandzuhalten." - Mechatroniker Marc Ganster
„Mechatroniker sind in der Lage, komplexe Anlagen zu montieren, zu warten und instandzuhalten." - Mechatroniker Marc Ganster

Förderband, Auto oder Garagentor: Kaum eine Maschine oder Anlage kommt heute ohne elektronische Steuerung aus. Der Beruf des Mechatronikers verbindet daher das Wissen um Elektronik, also Steuerung, mit Kenntnissen in Mechanik.

Spaß an Technik - das hat Marc Ganster dazu gebracht, eine Ausbildung als Mechatroniker zu beginnen. Das Berufsbild gibt es erst seit 15 Jahren. Entstanden ist der Mechatroniker, da bei modernen Maschinen und Anlagen die elektronische Steuerung eine immer größere Rolle spielt. Das macht indes die Mechanik nicht weniger wichtig. Und so vereint der Mechatroniker einfach beides: Elektronik und Mechanik (siehe Kasten "Das Berufsbild"). Gerade das hat Ganster gut gefallen: "Industriemechaniker arbeiten vorwiegend mit Metall. Das ist mir zu einseitig. Andererseits wollte ich aber auch nicht als Elektroniker nur mit Steuerungen zu tun haben", erzählt er. Mittlerweile ist der junge Mann aus Fischbach bei Dahn im dritten Jahr seiner Ausbildung. Und hat die Entscheidung bis heute nicht bereut: "Mir machen alle Tätigkeiten aus den unterschiedlichen Bereichen der Mechatronik Spaß". Und schiebt nach kurzem Nachdenken und mit einem Lächeln hinterher: "Na ja, bis auf das Leitungen ziehen vielleicht."

Am Beginn seiner Ausbildung stand ein sechsmonatiger Metall-Grundkurs. Dort hat er Fertigkeiten wie Feilen, Bohren oder Gewindeschneiden gelernt. Im Rückblick bezeichnet der Pfälzer diese Zeit als "Crashkurs für's Durchhaltevermögen". Daran schlossen sich Elektro- und Elektronik-Grundlagen an. In dieser Zeit führte Ganster Elektroinstallationen aus, lernte löten und VPS. Das steht für "verbindungsprogrammierte Steuerung". Der Programmablauf ist bei diesen umgangssprachlich auch als"festverdrahtete Steuerung" bezeichneten Logiken durch fixe Verbindungen einzelner Bauelemente festgelegt. Dabei kann es sich um Komponenten wie Relais, Schütze, Schalter oder Leiterplatten handeln. Für komplexe Steuerungen reicht VPS indes nicht aus. Und so lernte Marc Ganster im zweiten Lehrjahr SPS kennen. Das steht für "speicherprogrammierbare Steuerung". "Ohne Laptop oder PC kann man solch eine Steuerung nicht bauen", erklärt der angehende Mechatroniker. Oder anders ausgedrückt: SPS brauchen immer eine Art von Software.

Ausgestattet mit diesen Grundlagen hat der junge Mann dann in seinem Ausbildungsbetrieb verschiedene Bereiche durchlaufen, unter anderem die Elektrovormontage, die Dreherei und den Schaltschrankbau. Der Lerneffekt sei enorm gewesen, so Ganster. Verwunderlich ist das nicht. Als Ausbildungsbetrieb hat er sich psb ausgesucht. Das Pirmasenser Unternehmen konstruiert und baut sogenannte Intralogistik-Systeme für den Materialfluss und die Lagerhaltung. Die psb-Systeme sorgen so dafür, dass in Produktionsbetrieben oder in Logistikzentren alles zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle ist - vollautomatisch. Wer schon einmal Bilder aus einem großen Logistikzentrum wie beispielsweise einem des Online-Versandhändlers Amazon gesehen hat, kann sich die Komplexität solcher Anlagen vorstellen: In langen und hohen Regalreihen lagern Hunderttausende verschiedener Artikel. Das System muss zu jeder Zeit wissen, welches Produkt in welcher Stückzahl wo liegt und dann den entsprechenden Vorgang einleiten, durchführen und kontrollieren. Dies ist eine riesige Rechenleistung - aber auch eine große mechanische Herausforderung für Aufzüge, Förderbänder und Kommissionierstationen. Denn transportiert werden müssen nicht nur kompakte und kleine Produkte wie CDs. Die psb-Anlagen sind genauso in der Lage, auch Herrenhemden, Waschmaschinen oder Mountainbikes an die richtige Stelle zu befördern.

"Für die Montage, Wartung und Instandhaltung unserer komplexen Anlagen sind Mechatroniker ideal", sagt psb-Ausbildungsleiter Jürgen Rett. Sie könnten sowohl mechanische als auch elektronische Aufgaben und Herausforderungen lösen. Dabei gilt: Je nach Komplexität müssen sie mit Fachkollegen zusammenarbeiten. Das kann mal ein Softwareentwickler, mal ein Industriemechaniker sein. Team- und Kommunikationsfähigkeit sind daher für angehende Mechatroniker wichtige Eigenschaften, die sie mitbringen sollten. Als Generalisten in Elektronik und Mechanik können sie zwar eine ganze Menge, ohne spezialisierte Fachleute kommen aber auch sie nicht immer weiter.

Und natürlich ist es Spaß an Technik, den man für diesen Beruf benötigt - wie ihn Marc Ganster mitbringt. Egal ob Autoreparatur, die Montage einer neuen Steckdose oder Softwareprogrammierung: Der junge psb-Mitarbeiter hat sich schon früh für die verschiedensten Bereiche begeistern können. Seit Ausbildungsbeginn hat sich auch sein Zugewinn an Wissen und Kompetenz herumgesprochen. "Freunde und Verwandte rufen jetzt schon mal an und fragen mich bei den verschiedensten Sachen um Rat", erzählt er. Erst kürzlich habe er im Haus seines Cousins Bewegungsmelder installiert. Viel Zeit für solche Arbeiten bleibt Marc Ganster erst mal nicht mehr. Vor einigen Wochen hat er einen Antrag gestellt, seine eigentlich dreieinhalbjährige Ausbildung verkürzen zu dürfen. Als praktisches Abschlussprojekt hat er sich eine Nut- und Ziehmaschine vorgenommen. Diese will er auf- und umrüsten. "Die Maschine ist älter als ich", erzählt der 22-Jährige. Eine neue Steuerung solle unter anderem die Sicherheit der Maschine verbessern. Dass Ganster seine Ausbildung verkürzen will, hat einen einfachen Grund: Im Wintersemester 2013 möchte er ein Wirtschaftsingenieurstudium an der Universität in Kaiserslautern aufnehmen. Mit einem Bachelor oder Master in der Tasche würde er dann auch gerne wieder zu seinem Ausbildungsbetrieb zurückkehren. Mit dem Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen bleibt sich Marc Ganster seinem Ziel treu, das ihn auch bei der Berufswahl geleitet hat: Lieber den Überblick in zwei Bereichen, als Spezialkenntnisse in einem. Denn wie der Mechatroniker Mechanik und Elektronik verbindet, vereinen Wirtschaftsingenieure Betriebswirtschaft und Maschinenbau. Für den Generalist Marc Ganster genau das Richtige.

Das Berufsbild:

Das Porträt im ferrum-E-Paper