Verfahrensmechaniker/in

Meine Erwartungen an den Beruf wurden weit übertroffen - Verfahrensmechanikerin Eugenia Fengler. Bild: PfalzMetall
Meine Erwartungen an den Beruf wurden weit übertroffen - Verfahrensmechanikerin Eugenia Fengler. Bild: PfalzMetall

"Verfahrensmechaniker für Beschichtungstechnik" haben beste Berufsaussichten: Die in der Industrie eingesetzten vollautomatischen Lackieranlagen und -roboter brauchen diese Spezialisten zur Überwachung und Steuerung. Eugenia Fengler ist eine von ihnen.

Das Mercedes Benz Werk Wörth ist die größte Lkw-Fabrik der Welt. Bis zu 110.000 Lastwagen rollen jährlich von den Bändern, rund 11.650 Menschen arbeiten hier. Eugenia Fengler ist eine von ihnen und sehr zufrieden mit ihrer Arbeit. Dabei hatte die 24-Jährige vor ihrer Ausbildung zur "Verfahrensmechanikerin für Beschichtungstechnik" eigentlich mit dem Gedanken gespielt, sich selbstständig zu machen. "Der Freund meiner Schwester ist Kfz-Mechaniker. Wir haben uns überlegt, dass er die Autos repariert und ich sie lackiere", sagt die in Kasachstan geborene Frau, die in der Südpfalz aufgewachsen ist. Doch es sollte anders kommen, auch wenn sie dem Lackieren die Treue gehalten hat.

Verfahrensmechaniker für Beschichtungstechnik ist ein junges Berufsbild. Während der klassische Kfz- Lackierer, der hauptsächlich im Hand- werk beschäftigt ist, selbst die Sprühpistole führt, verantworten Verfahrensmechaniker für Beschichtungstechnik die Lackierung im industriellen Maßstab. "Wir bedienen Roboter und Lackieranlagen", beschreibt Eugenia Fengler ihre Arbeit. Den Beruf kennen gelernt hat sie in zwei Praktika, eines im Lkw-Werk in Wörth und eines in der Mercedes-Benz-Niederlassung in Landau. "Das hat mir gefallen. Nachdem auch ein Berufswahltest ergeben hat, dass bei meinen Interessen und Stärken der Beruf naheliegt, kam für mich keine andere Ausbildung mehr in Frage", erzählt die Germersheimerin. Das erste Ausbildungsjahr hat sie in der Berufsfachschule in Karlsruhe verbracht. Dort bekam sie Grundlagen in der Metallbearbeitung wie biegen, schweißen und feilen vermittelt. Und sie hat theoretisch und praktisch gelernt, wie man lackiert: das vorherige Prüfen und Schleifen des Untergrunds, die Vorbehandlung, das Spachteln und Auftragen mit der Pistole. Wichtiger Lehrinhalt war zudem Lack- und Werkstoffkunde.

Im zweiten und dritten Lehrjahr fuhr Eugenia Fengler nur noch zum Blockunterricht in die Berufsschule. Die meiste Zeit verbrachte sie im Werk und hat dort alle Bereiche durchlaufen, in denen Verfahrensmechaniker für Beschichtungstechnik zum Einsatz kommen: in der Kleinteile-, der Rahmen und Fahrerhauslackierung sowie im Lacklabor. Letzteres spielt eine große Rolle in der Qualitätssicherung, da dort die eingesetzten Materialien geprüft werden. In der Fahrerhauslackierung arbeitet Eugenia Fengler heute. In ihrer Ausbildung wurde dort teils noch per Hand lackiert. Mittlerweile ist der Bereich vollautomatisiert. An drei Linien werden alle Fahrerhäuser der Wörther Produktion bearbeitet. Dabei sind vier Arbeitsgänge nötig: Die kathodische Tauchlackierung als Grundierung, die PVC-Nahtabdichtung mit Unterbodenschutz, der Füllerauftrag, bei dem feinste Unebenheiten ausgeglichen werden und abschließend die Decklackapplikation, die der Fahrerkabine ihr Aussehen verleiht. Zur Auswahl stehen dem Kunden dabei 500 verschiedene Farben. Eugenia Fengler ist in ihrem Beruf vor allem dafür zuständig, die Maschinen und Anlagen zu überwachen und zu steuern. "Ich verbringe mehr Zeit vor Rechnern und Monitoren, als man vermuten könnte. Mein Beruf ähnelt daher häufig einem Bürojob",sagt die junge Frau. Gegenstand der Ausbildung sind daher auch Robotik, Elektrotechnik, Pneumatik sowie Steuerungs- und Regeltechnik.

Manchmal wird auch in der Produktion noch mit Hand gearbeitet, beispielsweise bei der Ausbesserung kleiner Produktionsfehler. Dann zieht sich Eugenia Fengler eine komplette Schutzausrüstung inklusive Atemschutz an. Und von einem "Bürojob" hat ihre Arbeit auch dann nichts mehr, wenn die Maschinen gewartet oder gesäubert werden müssen. Doch gerade diese Mischung an Aufgaben ist es, die Eugenia Fengler sagen lassen: "Meine Erwartungen an den Beruf wurden weit übertroffen." Mit der Antwort auf die Frage, wie sie die Zukunftsaussichten ihres Berufs einschätzt, zögert die junge Frau keine Sekunde: "Der Bedarf wird noch zunehmen, da der Anteil der manuellen Lackierung weiter abnimmt." Dass Eugenia Fengler von den guten Berufsperspektiven überzeugt ist, zeigt auch ihre Entscheidung, sich weiterzubilden. Vor wenigen Wochen hat sie ihre Fortbildung zum Technischen Fachwirt gestartet, im Oktober 2013 steht die Prüfung an. Auch einen Meistertitel können Verfahrensmechaniker für Beschichtungstechnik erwerben. Als akademische Ausbildung steht Interessierten ein Ingenieur-Studium in der Fachrichtung Lacktechnik offen.

Schüler, die sich für den Ausbildungsberuf interessieren, sollten gute Grundlagen in Mathematik, Physik und vor allem Chemie mitbringen. Letzteres ist wichtig, um die Zusammensetzung und Wirkungsweise von Lacken zu verstehen. Notwendig sind aber auch handwerkliches Geschick und analytische Fähigkeiten, um etwa bei einem Anlagenausfall den Fehler rasch zu finden und zu beheben. Bei den Sozialkompetenzen steht die Teamfähigkeit an erster Stelle. "Die Arbeit erfordert ständig Absprachen mit Kollegen, die für die vor- und nachgelagerten Produktionsschritte verantwortlich sind", erklärt Eugenia Fengler. Und auch die eigene Tätigkeit findet in der Gruppe statt. Bei spielsweise arbeiten in der Fahrerhauslackierung pro Schicht rund 20 Menschen.

Ausbilder Erik Zimmerle ergänzt zwei weitere Anforderungen: Sorgfalt und Sauberkeit. "Schmutz ist der größte Feind in unserem Job." So finden viele Prozesse in der Lackierung unter Reinraumbedingungen statt. Das heißt, dass die Umgebungsluft mittels Klimaanlage gereinigt wird, der Zugang nur über Schleusen möglich ist und die Angestellten Schutzanzüge tragen. Das verhindert zum Beispiel, dass Haare die frisch lackierten Bauteile verunreinigen. Die langen blonden Haare von Eugenia Fengler verschwinden dann unter einem weißen Overall. In ihrer Freizeit zieht sie ebenfalls manchmal Schutzkleidung, -maske und -brille an. "Dank meiner Ausbildung kann ich die Autos meiner Familie lackieren oder Schäden ausbessern", erzählt sie. Und so ist der Traum von der Arbeit in einer kleinen Werkstatt zumindest am Wochenende manchmal Realität.

Das Berufsbild:

Das Porträt im ferrum-E-Paper