Werkzeugmechaniker/in

Wir arbeiten mit Toleranzen bis zu fünf Hundertstel Millimetern - Werkzeugmechaniker Rainer Brenneiser. Bild: PfalzMetall
Wir arbeiten mit Toleranzen bis zu fünf Hundertstel Millimetern - Werkzeugmechaniker Rainer Brenneiser. Bild: PfalzMetall

Die Maschinen im Presswerk von Opel in Kaiserslautern sind riesig: Zwei bis drei Stockwerke hoch ragen sie in die Halle hinauf. Zwei weitere Stockwerke befinden sich "unter Tage", im Pressenkeller. Mit rasender Entschlossenheit und der Wucht von bis zu 1.500 Tonnen Presskraft zwingen sie die Bleche in ihre neue Form. Wie genau diese aussieht, das liegt an den Werkzeugen, denn sie geben das Aussehen des fertigen Kotflügels oder der Seitentür vor. In den größten Werkzeugen entstehen ganze Seitenwände. Diese Werkzeuge können bis zu sechs Meter breit und 2,50 m tief sein und bis zu 50 Tonnen Gesamtgewicht haben.

Für die Fertigung dieser Werkzeuge - der Laie würde sie als "Formen" bezeichnen - sind Werkzeugmechaniker zuständig. Und dabei ist, trotz der großen Dimensionen der Maschinen, feinste Detailarbeit gefragt: "Wir arbeiten mit Toleranzen bis zu fünf Hundertstel Millimetern", berichtet Rainer Brenneiser. Der 30-Jährige hat 1996 mit seiner Ausbildung zum Werkzeugmechaniker begonnen und arbeitet seither bei Opel.

Da Werkzeugmechaniker und Maschinenschlosser ähnliche Grundlagen zu lernen haben, findet die Ausbildung dieser beiden Berufe im ersten Lehrjahr gemeinsam statt. So kann sich jeder Azubi nach einem Jahr noch einmal endgültig entscheiden, welcher dieser beiden Berufe für ihn denn der Passende ist. Brenneiser war vorher schon überzeugt: Sein Vater arbeitete bei Opel und sein Onkel war Werkzeugmechaniker - diese familiäre Konstellation hat er dann schließlich kombiniert.

Die Werkzeugmechaniker in Kaiserslautern sind ihrer Zeit immer eineinhalb Jahre voraus. "Als Projektabteilung leisten wir Vorarbeiten für die Produktion der jeweils nächsten Fahrzeuggeneration", errät Brenneiser. Aktuell arbeiten er und seine Kollegen an den Werkzeugen für den Astra Sportstourer und den neuen Zafira. Allerdings lasse der Blick auf einzelne Bauteile oft noch keinen Rückschluss auf das fertige Auto zu. Mittlerweile ist der Presswerkzeugbau in Kaiserslautern zusammen mit der deutlich größeren Abteilung in Rüsselsheim die einzige Einrichtung dieser Art bei Opel: "Wir bauen Presswerkzeuge für den gesamten europäischen Raum."

Und das geht so: Zunächst kommen die Computerdaten des Werkzeugs aus der Entwicklungsabteilung in Rüsselsheim. Aufgrund dieser Daten werden die benötigten Gussteile in Auftrag gegeben. In der Arbeitsvorbereitung werden die übrigen Teile gefräst und gebohrt und schließlich zusammengebaut. Dabei kommt moderne Steuerungstechnik zum Einsatz. Schließlich werden die ersten Probeteile gepresst und dann entscheidet es sich, 20 bis 30 Wochen nach der Bereitstellung der Daten aus Rüsselsheim: Wie sieht das erste Probeteil aus? Wie nah liegt es an den Vorgaben? Und falls es zu weit davon entfernt ist: Welche Änderungen müssen am Werkzeug vorgenommen werden, damit das Blech hinterher auf Millimeterbruchteile genau die Maße und Formen hat, die es haben soll?

Gerade diese letzte Frage ist die eigentliche Herausforderung für einen Werkzeugmechaniker - da geht es nämlich nicht mehr mit dem Lehrbuch, sondern mit dem "Bauchgefühl" und der Erfahrung: "Hier die richtigen Antworten zu finden, dass ist es, was einen guten Werkzeugmechaniker ausmacht, denn Blech lebt.", sagt Rainer Brenneiser."Die Verformung findet im elastischem und im plastischem Bereich statt." erklärt er uns weiter. "Bei der Entlastung, wenn das Oberteil mit dem Pressenstößel hoch fährt, federt das Blech zurück. Dieses Rückfedern kann man bei den komplexen Formen nicht genau vorhersagen".

Das Berufsbild: