Hochfliegende Pläne

Fünf Informatikschüler der Realschule plus Annweiler haben sich zusammengeschlossen, um für "Formel 1 in der Schule" einen Rennwagen zu konstruieren. Finanziell unterstützt werden sie von der Stiftung PfalzMetall.

Wenn Schüler an ihr Wahlpflichtfach Informatik denken, überkommt sie häufig ein Gähnen. Es geht aber auch anders: Informatikunterricht kann auch mit der Ausschüttung großer Mengen Adrenalin einhergehen. Dieses Hormon produziert der Körper, wenn er unter Stress steht, wenn er Höchstleistung geben muss, wenn er sich beweisen muss. Bei fünf Schülern der Realschule plus Annweiler wirkt ihr Informatikunterricht genauso.

Ausgangspunkt war dabei das Programm SolidWorks. Bei der Suche nach einer geeigneten Software, um ein Modul "Technisches Zeichnen" in den Unterricht einzubauen, war ihr Lehrer auf diese Software gestoßen. In der Industrie sind solche 3D-CAD-Programme Standard: Werkstücke können mit ihrer Hilfe am Bildschirm entworfen und anschließend von Fräsen vollautomatisch erstellt werden.

Doch die Entwicklung von virtuellen Tassen und anderen Alltagsgegenständen war Adrian, Marco, Necdet, Jonas und Tobias bald zu langweilig. Sie begannen, Rennwagen zu designen. Dazu animiert wurden sie durch den Wettbewerb "Formel 1 in der Schule". "Die Projektaufgabe, einen Rennwagen zu konstruieren, fanden wir sehr spannend", erzählt Tobias. Der 17-Jährige ist im Team "UMC Racing" für die Beschaffung des Materials zuständig. Die Karosserie der rund zwanzig Zentimeter großen Fahrzeuge besteht aus Balsaholz, für Spoiler, Achsen und Räder können die Schüler beliebiges Material einsetzen.

Doch das Team muss weit mehr leisten, als einen Rennwagen zu designen: Ein Messestand gehört genauso zur Aufgabe wie eine Präsentation oder entsprechende Teamkleidung. So ist Necdet ausschließlich für das Grafikdesign von UMC Racing verantwortlich. Jonas und Adrian haben die Entwicklung des Rennfahrzeugs am PC übernommen. Dazu gehört auch die Simulation im virtuellen Windkanal. Marco schließlich ist Teammanager. Er muss in dieser Funktion nicht nur die Gruppe koordinieren. Er ist auch für den Kontakt zu den zuliefernden Unternehmen verantwortlich. So musste er eine Firma suchen, die das Fahrzeug mit einer CAD-Fräse erstellen konnte. Die Spoiler werden in einem modernen 3D-Druckverfahren hergestellt. "Das Projekt geht weit über die Karosserieentwicklung am PC hinaus. Eigentlich haben die Schüler wie in einem Unternehmen ein Produkt zu entwickeln und an den Markt zu bringen", sagt Jan Hausstein. Der Informatiklehrer betreut die Gruppe und hat sie auch auf die Idee gebracht, einen Förderantrag bei der Stiftung PfalzMetall zu stellen. Mit Erfolg: Ums Budget müssen sich die fünf Schüler seither keine Gedanken mehr machen.

Ihre ganze Energie konzentrieren die Zehntklässer derzeit auf den 1. März. Dann findet auf der Regionalmeisterschaft Süd-West in Pirmasens die Qualifikation für die Deutsche Meisterschaft statt. Die Chancen von UMC Racing stehen gut. Aus Rheinland-Pfalz gibt es nur noch eine andere Schülergruppe, die die Voraussetzungen für die Teilnahme am Wettbewerb erfüllt hat. Die Wahrscheinlichkeit ist deshalb hoch, dass die Fünf wenige Wochen später nach Stuttgart gehen. Dort findet im Mercedes-Benz-Museum das Bundesfinale statt. Für die Annweiler Schüler wird es die zweite Teilnahme werden. Bereits im vergangenen Jahr hatten sie an "Formel 1 in der Schule" teilgenommen. Ging es ihnen bei der deutschen Meisterschaft 2012 nur darum, "nicht letzter zu werden", haben sie für den laufenden Wettbewerb ehrgeizigere Ziele. Um den Rollwiderstand des von einer Gaskartusche betriebenen Fahrzeugs zu verringern, haben sie einen Spoiler konstruiert, der wie ein Flügel geformt ist. "Eigentlich soll ein Spoiler Anpressdruck erzeugen, damit ein Fahrzeug in der Spur bleibt", erklärt Konstrukteur Adrian. Doch das wäre beim Wettbewerb gar nicht notwendig, da die zwanzig Meter lange Strecke gerade und eben ist. Das Abheben der bis zu 100 Kilometer schnellen Flitzer ist noch aus einem anderen Grund nicht möglich: Die minimal 55 Gramm schweren Formel1-Boliden werden durch eine Nylonschnur auf der Bahn gehalten. Ob der Plan für eine vordere Platzierung reicht, wird sich in wenigen Wochen entscheiden. Garantiert ist in jedem Fall ein spannendes Rennen - Adrenalin inklusive.

Video zum Beitrag