21.03.2017

AW-Forum 2017 in der Opel Arena in Mainz

Am 21.03.2017 fand zum 10 ten mal das ARBEITSWISSENSCHAFLICHE FORUM mit dem Titel "Arbeiten 4.0: Hype oder Reality - wo stehen die Betriebe der M+E Industrie?" statt. Insgesamt hatten sich 230 Firmenvertreter aus den unterschiedlichsten Unternehmensbereichen angemeldet um zu erfahren was sich derzeit unter diesen Stichworten sowohl in den unternehmen geschieht, als auch was die Politik als Rahmenbedingung für die Digitalisierung plant.

Grafik:AW-Forum 2017

Gemeinsam mit den Tarifverbänden der Metall- und Elektroindustrie Hessens, Rheinland-Rheinhessens und des Saarlandes hat der Arbeitgeberverband PFALZMETALL am 21. März in Mainz das zehnte Arbeitswissenschaftliche Forum veranstaltet. Fragestellung: „Arbeiten 4.0: Hype oder Reality“, wo stehen die Betriebe der M+E Industrie?

Ralf Mertel, zuständig für den Bereich Betriebsorganisation und Entgeltgestaltung bei PFALZMETALL, einer der Initiatoren des Forums: „Wir haben in den Vorträgen erfahren, dass Industrie 4.0 bereits in der betrieblichen „Reality“ angekommen ist. Gemeinsam nähern sich Führungsverantwortliche und Belegschaften der Digitalisierung und wägen ab, wo die Chancen und Risiken sind.“

 

Dr. Gerald Becker-Neetz, Leiter der Unterabteilung „Soziale Marktwirtschaft, Zukunft des Sozialstaats und Forschung“ im Bundesarbeitsministerium, stellte den Dialogprozess für das Weißbuch Arbeiten 4.0 vor. Man habe im BMAS die Kritik der Wirtschaft deutlich vernommen, erklärte er und kündigte an, dass es zu kontroversen Themen des Weißbuches „Probierphasen“ geben werde. Umstritten sind zum Beispiel arbeitszeitpolitische Passagen im Weißbuch. Ralf Mertel kritisierte die dort beschriebenen „Grundzüge eines Wahlarbeitszeitgesetzes“, nach dem jeder Beschäftigte seine Arbeitszeit selbst bestimmen könne. Denn dies würde seinen Worten nach „eine Umkehrung des Direktionsrechts bedeuten“. Korrekturen forderte er auch beim Arbeitszeitgesetz. Dies enthalte „teilweise sehr alte Regelungen wie die Ruhezeit von elf Stunden“.

 

Rund 230 Teilnehmer – Geschäftsführer, Werkleiter, Personalleiter, Spezialisten für Industrial Engineering und Ingenieure aus den Verbänden – verfolgten hochrangig besetzte Vorträge; diese boten Einblicke in die betriebliche Wirklichkeit der Betriebe aus dem Verbandsgebiet der Mittelgruppe. Es zeigte sich, dass die Unternehmen nüchtern den Nutzen sowie die Chancen und Risiken von Elementen der Industrie 4.0 abwägen.

 

Ein Beispiel dafür ist die KSB Aktiengesellschaft in Frankenthal. Frank-Udo Kimm, Leiter Dokumentation/Prozesse, präsentierte eine Cloud-basierte Plattform, mit der das hochproduktive Unternehmen eine neue Dynamik und Effizienz beim Ideenmanagement gewinnen will. „Ein mit sozialen Netzwerken vergleichbarer Diskussions- und Like-Prozess soll Ideen weiterentwickeln und einem Innovationskorridor zuführen.“ Die Plattform steht vor der Inbetriebnahme und wird 16 000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern weltweit vernetzen.

 

Dr. Franz Eckl, CEO des Kurbelwellenherstellers thyssenkrupp Gerlach GmbH in Homburg, machte deutlich, dass sein Unternehmen auch in Zeiten von Industrie 4.0 wie seit jeher alles daran setzt, die Effizienz zu steigern. Erfolge habe man mit der Digitalisierung der Verwaltung von Mehrarbeit erzielt, die die zuvor praktizierte „Zettelwirtschaft“ abgelöst habe. Automatisierung in der Schmiedelinie könne helfen, ältere Mitarbeiter länger im Arbeitsleben zu halten.

 

Claus Lau, Standortleiter Erbach der Bosch Rexroth AG, und der dortige Betriebsratsvorsitzende Rainer Raßloff zeigten am Beispiel einer Nähmaschine aus den 40er-Jahren, wie ältere Maschinen nachträglich mit Sensorik aufgerüstet und in eine vernetzte Industrie 4.0-Umgebung eingebunden werden können.

 

Klaus Höfer, Leiter Industrial Engineering bei der thyssenkrupp Rasselstein GmbH Andernach, zeigte auf, wie der Verpackungsstahl-Hersteller durch Vernetzung der Produktionssteuerung mit wetter- oder feiertagsbedingten Veränderungen des Strompreises Millionensummen bei den Energiekosten sparen will. Mit dem Softwaretool Mobile Workforce-Management <s>von ATOSS</s> will der Weißblechhersteller bei der Schichtplanung künftig flexibler auf immer raschere Veränderungen der Nachfragesituation und Personalausfälle reagieren.

 

Ralf Mertel nach einem intensiven Vortrags- und Diskussionstag in der Opel-Arena: „Ob 3.0 oder 4.0 – Arbeit muss prozessorientiert und produktiv sein und bleiben. Darüber führen Entscheider-Ebenen und Betriebsräte bereits jetzt einen intensiven Dialog und setzen gemeinsam betriebliche Lösungen um."

 

Mitinitiatoren des Forums waren die Verbandsingenieure der Mittelgruppe, die Herren Wolfgang Kohler, Nikolaus Schade und Rainer Schleidt.

Dr. Frank Lennings, Leiter Fachbereich Unternehmensexellenz, Institute für angewandte Arbeitswissenschaft, ifaa, moderierte die Veranstaltung.