16.03.2016

Erste Verhandlungen in Mitte: „Maß halten und Standort sichern, statt hoch abschöpfen!“

Die Arbeitgeber der Tarifgemeinschaft M+E MITTE haben heute zur ersten Tarifverhandlung für die 400.000 Beschäftigten der Metall- und Elektro-Industrie in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland die 5 Prozent-Entgelt-Forderung der IG Metall als "völlig unbegründet und nicht nachvollziehbar " zurückgewiesen. Verhandlungsführer Dr. Thomas Brunn zeigte sich in Koblenz über den unrealistischen Höhenflug irritiert.

Wenn die IG Metall M+E-Unternehmen nicht in großem Stil zu beschleunigten Produktionsverlagerungen ins Ausland und aus der Tarifbindung treiben wolle, müsse sie jetzt zurückkehren zu einer Tarifpolitik mit Augenmaß.

"Noch nie hat die IG Metall ihre Forderung so wenig begründet wie in dieser Tarifrunde. Sie legt ihrer Forderung eine Inflationsrate von 2 Prozent zugrunde, die es nicht gibt: Denn sie ist nur eine Zielinflationsrate der Europäischen Zentralbank. Ihr steht eine wirkliche Inflationsrate nahe 0 Prozent gegenüber. Die IG Metall legt ihrer Forderung Produktivitätsgewinne zugrunde, die wir gerne hätten. Die haben aber mit der betrieblichen Realität rein gar nichts zu tun. Und sie fordert darüber hinaus eine Umverteilungskomponente, die keiner versteht. Nach dem, was eine Gewerkschaft sinnvollerweise fordern könnte, nämlich einen Inflationsausgleich und Teilhabe am Produktivitätsfortschritt, dürfte die IG Metall gerade mal 0,7 Prozent verlangen." Angesichts internationaler Unsicherheiten, einbrechender Exportmärkte mehr Investitionen im Ausland sei die 5-Prozent-Forderung ein "fatales Signal - auch an die Arbeitnehmer". Nach 14 Prozent Entgeltsteigerung und gerade einmal 1,2 Prozent Produktivitätsfortschritt in den letzten vier Jahren sei schon der Abschluss 2015 an und für nicht wenige Betriebe auch über die Schmerzgrenze hinaus gegangen.

Es gehe in dieser Tarifrunde nicht um eine eher optimistische oder pessimistische Konjunktureinschätzung. "Vielmehr geht es aktuell darum, die Fülle der strukturellen Risikofaktoren unseres bröckelnden Standorts realistisch zur Kenntnis zu nehmen. Zu hohe Arbeits-, Strom- und Bürokratiekosten rauben der heimischen Produktion Wettbewerbsfähigkeit und kosten am Ende, wenn der Scheinaufschwung aus niedrigem Euro und Zinsen verflogen ist, Arbeitsplätze in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Diesen Trend gilt es zu drehen. Und dazu müssen die Arbeitnehmer unserer Industrie sich bei Tarifabschlüssen schon entscheiden, ob sie einige Male hohe Entgeltsteigerungen abschöpfen oder mittel- und langfristig ihre heimischen Arbeitsplätze absichern möchten", so der Verhandlungsführer.

Die nächste Tarifverhandlung für den Tarifbezirk MITTE findet am 15. April in Darmstadt statt.