16.01.2015

Keine Annäherung bei erster Tarifverhandlung in der M+E Industrie MITTE

Bei der ersten Tarifverhandlung für die 400.000 Beschäftigten der Metall- und Elektro-Industrie in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland kam es zu keiner Annähe­rung zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretern. Die Tarifgemeinschaft M+E MITTE wies die Forderungen der IG Metall als "realitätsfern und schwere Belastung der Betriebe" zurück.

Verhandlungsführer Dr. Thomas Brunn erklärte am Freitag nach der Verhandlung: "Wir erwarten nur ein geringes Wachstum, die Inflation wird niedrig bleiben. Seit 3 Jahren verzeichnet die M+E-Industrie in unserem Tarifgebiet Umsatzrückgänge und die Produktivi­tätszuwächse sind gering. Deshalb fehlt uns für eine Tarifforderung von 5,5 Prozent jegliches Verständnis. Die Gewerkschaft muss ihre Brille putzen und endlich die Realitäten anerken­nen."

Die Beschäftigten der Branche hätten bereits durch die letzten beiden Tarifabschlüsse kräftig profitiert. Die Entgelte seien um insgesamt zehn Prozent erhöht worden. Für die Metallbe­schäftigten habe dies im Durchschnitt zu einem Lohnplus von mehr als 5.000 Euro im Jahr geführt. Dank der geringen Inflation hätten die Beschäftigten auch tatsächlich deutlich mehr Geld in der Tasche gehabt. "Das freut unsere Mitarbeiter, lässt sich aber nicht beliebig fort­setzen, zumal die wirtschaftliche Entwicklung in den letzten drei Jahren immer hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist", sagte Brunn: "Wir haben aktuell keine Krise, dürfen uns aber auch nicht durch eine überzogene Lohnpolitik in eine hineinmanövrieren. Wir haben bereits Wettbewerbsfähigkeit verloren. Diese müssen wir zurückgewinnen."

Zusätzlich belastend gerade auch für Betriebe, die sich weiterhin zur Tarifbindung bekennen wollen, wirkten sich die qualitativen Forderungen der Gewerkschaft zur Altersteilzeit und zu einer neuen bezuschussten Bildungsteilzeit aus, kritisierter der Verhandlungsführer. Auch die Arbeitgeber wollten flexible Ausstiegsmöglichkeit für Mitarbeiter, die im Alter aus gesundheit­lichen Gründen nicht mehr bis zum gesetzlichen Rentenalter arbeiten könnten. "Aber Mit­arbeiter mit Zuschuss in die Frührente zu schicken, die einfach keine Lust mehr haben, ist in Zeiten des steigenden Fachkräftemangels geradezu widersinnig."

Für die geforderte bezuschusste Teilzeit für persönliche Weiterbildung sieht Brunn überhaupt keine Notwendigkeit: "Unsere Industrie gibt Milliarden für Bildung und Weiterbildung aus, die betrieblich sinnvoll ist. Warum sollen Arbeitgeber eine persönliche Weiterbildung bezuschus­sen, für die es im Betrieb gar keinen Bedarf gibt?" fragte Brunn.