16.11.2017

"IG-Metall-Forderung ist zu teuer, weltfremd und ungerecht"

Am 16. November fand die erste Runde der Tarifverhandlungen statt. Johannes Heger, Verhandlungsführer für die Pfalz, zeigte sich danach sehr enttäuscht. Die Entgeltforderung von sechs Prozent sei standortgefährdend.

PfalzMetall-Präsident Johannes Heger

PfalzMetall-Präsident Johannes Heger

Neustadt an der Weinstraße, 16.11.17. In Mainz fand heute die erste Tarifverhandlung für die Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie in Rheinland-Pfalz, Hessen und dem Saarland statt. Johannes Heger zeigt sich vom Ergebnis sehr enttäuscht: „Wir mussten das Forderungspaket der IG Metall in allen Punkten zurückweisen. Es ist zu teuer, weltfremd und ungerecht.“ Der Präsident von PfalzMetall und Verhandlungsführer für die Pfalz bezeichnet die Entgeltforderung von sechs Prozent als „standortgefährdend“.

„Ein Viertel unserer Betriebe schreibt rote Zahlen oder gerade Mal eine schwarze Null. Eine solche Entgeltforderung können sie sich schlichtweg nicht leisten“, sagt Heger. Und selbst bei den florierenden Unternehmen der Branche stelle sich die Frage, was solch eine Entgeltforderung bewirke. „Wir müssen die Digitalisierung hinbekommen und die Entwicklung alternativer Antriebe sowie neuer Mobilitätssystem vorantreiben. Hierfür brauchen wir immense Investitionen. Mit ihrer überzogenen Forderung verbaut die IG Metall der Branche die Zukunft“, so der Verhandlungsführer.

Auf völliges Unverständnis stößt zudem die Forderung nach einer individuellen Arbeitszeitreduktion auf bis zu 28 Stunden. „Die tarifliche Wochenarbeitszeit in unserer Branche beträgt 35 Stunden. Das ist eine der geringsten Arbeitszeiten aller Industrieländer. Jetzt das Arbeitszeitvolumen noch weiter zu reduzieren, würde den Fachkräftemangel erheblich verschärfen“, warnt Heger, der zu Bedenken gibt, dass bereits heute mehr als ein Fünftel der M+E-Unternehmen Produktionsbehinderungen durch Arbeitskräftemangel beklagen. Der Verhandlungsführer weist darauf hin, dass die IG Metall es auch nicht ansatzweise verstanden habe, die Umsetzung ihrer eigenen Forderung in der betrieblichen Praxis zu erläutern. „Wie sollen denn Unternehmen die wegfallen Arbeitsstunden einzelner Beschäftigte befristet kompensieren: durch Mehrarbeit der Anderen, durch Zeitarbeit oder Einstellung befristet Beschäftigter?“, fragt Heger. Völlig weltfremd sei der Verweis auf Neueinstellungen. „Abgesehen vom Fachkräftemangel stellt sich die Frage, wie ein Unternehmen für einzelne Stunden und für einen begrenzten Zeitraum qualifiziertes Personal finden soll. Die Menschen stehen nicht vor den Werkshallen und fragen nach Arbeit“, sagt Heger.

Die Forderung nach einem Entgeltausgleich für bestimmte Gruppen, die ihre Arbeitszeit reduzieren wollen, nennt Heger „ungerecht“. „Das hieße in Konsequenz, dass die gleiche Arbeit unterschiedlich bezahlt würde. Das stellt das Leistungsprinzip auf den Kopf und ist mit uns daher nicht zu machen.“
Angesichts der in die völlig falsche Richtung zeigenden Forderungen zur Arbeitszeit haben die M+E-Arbeitgeber in der Verhandlung eigene Forderungen genannt. „Wir brauchen mehr Arbeitszeitvolumen und nicht weniger. Daher fordern wir die Quotenbeschränkung zu streichen, die bisher vorschreibt, wie viel Prozent der Mitarbeiter maximal bis zu 40 Stunden in der Woche arbeiten dürfen“, erklärt Heger. Das entspreche auch dem Wunsch vieler Beschäftigter, wie die Umfrage der IG Metall ergeben hat.

Wichtig sei zudem eine tarifliche Regelung, die eine kollektive, bedarfsbedingte vorübergehende Erhöhung der Arbeitszeit bei entsprechendem zuschlagsfreiem Entgeltausgleich außerhalb von Mehrarbeit durch Betriebsvereinbarung ermöglicht. „Unsere Tarifverträge kennen bisher den umgekehrten Mechanismus, also die Anpassung der Arbeitszeit nach unten, wenn es eine Nachfrageflaute gibt. Der von uns geforderte neue Mechanismus wäre die Ergänzung für den genau anderen Fall, eine außergewöhnlich hohe Nachfrage“, erläutert Heger.

Die Arbeitgeber-Forderungen wären geeignet, die Attraktivität der Tarifbindung zu stärken. „Die Pläne der IG Metall indes verunsichern unsere Mitglieder und lassen sie über einen Austritt aus dem Tarif nachdenken“, so Heger abschließend.